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Freitag, März 17, 2023

Der Havanna-Effekt: Warum es nach 2035 einen Gebrauchtwagen-Boom in der EU geben wird

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Die in den Artikeln wiedergegebenen Informationen und Meinungen sind die derjenigen, die sie angeben, und es liegt in ihrer eigenen Verantwortung. Die Veröffentlichung in der European Times bedeutet nicht automatisch die Billigung der Meinung, sondern das Recht, sie zu äußern.

Gaston de Persigny
Gaston de Persigny
Gaston de Persigny - Reporter bei The European Times News

Auf Grundlage eines Beschlusses des Europäischen Parlaments wird ab 2035 auf dem Gebiet der EU der Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor eingestellt. An ihre Stelle treten Elektroautos und andere umweltfreundliche Fahrzeuge. Das Fahren von Benzin- und Dieselautos wird jedoch nicht verboten.

Laut Analysten könnte dies „den Havanna-Effekt auslösen, bei dem die Menschen anstelle neuer und teurer Autos anfangen werden, massenhaft Gebrauchtwagen zu kaufen.

Insel der Freiheit

Wer schon einmal auf Kuba war oder sich für das Reisen interessiert, weiß, dass die Straßen hierzulande überwiegend von Retro-Autos geprägt sind, die teilweise 70 Jahre alt sind. Besonders viele dieser Autos stehen in den Ferienorten und der Hauptstadt Havanna.

Die amerikanischen Klassiker der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wirken authentisch und verleihen der Insel der Freiheit eine Art Charme. Menschen scheinen dank einer Zeitmaschine in der Vergangenheit zu sein. Kubaner fahren jedoch Retro-Autos nicht aus einem sehr guten Leben. Schuld daran ist das gegen das Land verhängte Embargo für Autoimporte. Die Kubaner haben nie gelernt, ihre eigenen Autos zu bauen.

Ähnliches könnte in Europa passieren. Autobesitzer sind an ihre Benzinfahrzeuge gewöhnt. Sie haben ihre Vorteile und sind günstiger als Elektroautos. Wenn letztere nicht billiger werden und die Laufleistung nicht mit einer Ladung erhöht wird, dürften viele EU-Bürger die vorhandenen Geräte bis zuletzt ausnutzen. Möglicherweise kommt es ab 2035 zu einem Gebrauchtwagenboom in der EU.

Vor der Lokomotive

Die europäischen Länder wollen übrigens nicht auf eine einheitliche Lösung warten und haben damit begonnen, nationale Programme zur Umstellung auf umweltfreundliche Verkehrsträger zu genehmigen.

Überraschenderweise sind die Einwohner der nördlichen Länder, wo der Betrieb von Elektrofahrzeugen durch starke Regenfälle, Schneefälle und extreme Kälte erschwert wird, am stärksten für die Reduzierung schädlicher Emissionen.

Zum Beispiel werden Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren ab 2025 in Norwegen nicht mehr verkauft. Derzeit liegt der Anteil von Elektroautos bei über 65 %. Großbritannien, Schweden, Dänemark, die Niederlande und Belgien planen eine „grüne Wende“ im Jahr 2030.

Spätestens 2040 will Frankreich diesen Schritt gehen. Wenn aber einheitliche EU-Regeln verabschiedet werden, muss der Prozess beschleunigt werden.

Hersteller haben nichts dagegen

Es ist davon auszugehen, dass sich die Autohersteller bis zuletzt gegen die Neuerungen wehren, die Entscheidungen sabotieren und sich für die Verlängerung der Verkaufsfrist für Autos mit Verbrennungsmotor einsetzen werden.

Aber zur Überraschung aller sind die Unternehmen bereit für die Veränderungen, trotz der enormen Mittel, die sie in den Bau und die Umrüstung der Produktion investieren müssen.

Schließlich arbeiten alle unter den gleichen Bedingungen. Die Hersteller haben längst verstanden, woher der Wind weht. So haben beispielsweise General Motors, Volvo, Jaguar und Ford bereits Strategien, um auf klassische Antriebe zu verzichten und auf elektrische umzusteigen.

Ähnliches kündigten Volkswagen und Mercedes an. Auch chinesische und japanische Hersteller verfügen über die nötige Technik. Es ist jedoch traurig, dass ernsthafte Kompetenzen in der Produktion von Motoren mit fossilen Brennstoffen verloren gehen.

Die Technologie der Herstellung von Benzinmotoren hat sich in ihrer Zeit stark entwickelt und ist sogar fast zu einer Kunst geworden.

Doch nicht alle sind bereit für Veränderungen.

Inzwischen unterstützen nicht alle EU-Mitgliedsstaaten einen vollständigen Verzicht auf Verbrennungsmotoren. Das trifft in erster Linie arme Länder. Tschechien, wo Skoda produziert wird, ist stark dagegen.

Derzeit sind die Modelle der Marke sehr gefragt, aber das Unternehmen verfügt nicht über große Ressourcen für die Umrüstung der Produktion. Auch in Deutschland – der Automobilhauptstadt der Welt – toben ernsthafte Leidenschaften.

Teure Modelle mit starken Motoren sind die Lokomotive und der Stolz der Branche. Behalten Mercedes, Porsche, BMW beim Übergang zum Elektromotor ihren Charakter?

Politiker Hans Gizeke sagt, die EU müsse mit einem „Havanna-Effekt“ rechnen. Die an die Macht gekommenen Grünen halten jedoch Veränderungen für notwendig. „Je früher uns der Übergang nach Europa gelingt und wir uns aus der Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern befreien, desto besser fühlen wir uns im globalen Wettbewerb“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag, Katharina Drege.

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