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Antikes Pflegeheim in der Nähe des Sees Genezareth entdeckt

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Antikes Pflegeheim in der Nähe des Sees Genezareth entdeckt

Archäologen in Israel haben ein fast 1,600 Jahre altes Bauwerk entdeckt, das möglicherweise die erste organisierte Einrichtung zur Betreuung älterer Menschen war.

Die Entdeckung wurde in der Nähe des Sees Genezareth, im Nationalpark Hippos, gemacht.

Ein wichtiger Fund ist ein Mosaik mit einer griechischen Inschrift, die den besonderen Zweck des Gebäudes offenbart.

Was offenbart der Fund?

Das Herzstück bildet ein kunstvoller Mosaikboden mit einer griechischen Inschrift, die lautet: „Friede den Alten“.

Forscher vermuten, dass es aus dem 4. oder frühen 5. Jahrhundert n. Chr. stammt.

Die Inschrift befindet sich an prominenter Stelle in einem Wohngebiet der antiken Stadt Hippos. Laut Wissenschaftlern belegt dies die öffentliche Funktion des Gebäudes im Zusammenhang mit der Altenpflege, wie Arkeonews berichtet.

Die Inschrift ist der erste materielle Beweis für die Existenz einer organisierten Einrichtung zur Betreuung älterer Menschen, sagen Experten.

Obwohl historische Texte aus dem 5. und 6. Jahrhundert solche Institutionen erwähnen, wurden bisher keine archäologischen Beweise dafür gefunden.

Dies macht die Entdeckung in Hippos zu einem Durchbruch in der Erforschung antiker sozialer Institutionen.

Dr. Michael Eisenberg vom Zinman-Institut für Archäologie der Universität Haifa, der die Ausgrabung leitete, betonte die große Bedeutung des Fundes.

Er erklärte, dies zeige, wie die Altenpflege schon lange vor dem Aufkommen moderner Sozialsysteme in die Gesellschaft integriert war.

Der Forscher merkte an, dass diese Entdeckung beweist, dass die Fürsorge für ältere Mitglieder der Gesellschaft bereits vor 1,600 Jahren ein etablierter sozialer Wert war.

Der Wortlaut der Inschrift und ihr Standort weisen eindeutig auf die Existenz eines offiziellen Altenheims hin.

Die Inschrift wendet sich direkt an die Älteren als Gruppe, was in einem archäologischen Kontext eine seltene und direkte Bezugnahme darstellt.

Hippos, auch bekannt als Susita, war eine bedeutende byzantinische christliche Stadt mit Blick auf den See Genezareth.

Es diente als bischöfliches Zentrum und zeichnete sich durch beeindruckende öffentliche Architektur aus, darunter Kirchen, eine Basilika, ein Tempel, ein Theater und breite, von Säulen gesäumte Straßen.

Die neu entdeckte Einrichtung für ältere Menschen befand sich an der Kreuzung zweier Hauptstraßen. Dies unterstreicht ihre Integration in den städtischen Alltag.

Ausgrabungen in den Jahren 2023 und 2024 ermöglichten es den Forschern, das Mosaik und seine Ikonographie vollständig freizulegen und zu analysieren.

Das Team kam zu dem Schluss, dass dieses Mosaikmedaillon wahrscheinlich am Eingang des Gebäudes angebracht wurde und sowohl als spiritueller Segen als auch als Willkommensgruß diente.

Die Institution spiegelt frühchristliche Werte wider, die soziale Verantwortung und Fürsorge außerhalb traditioneller Familienstrukturen förderten.

Illustratives Foto von Marta Nogueira: https://www.pexels.com/photo/detail-of-rocky-shore-of-sea-of-galilee-in-israel-water-and-blue-sky-landscape-with-hills-in-the-background-20172580/