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Krieg, Legalität und Schweigen: Europa und die USA – Israelische Angriffe auf den Iran

Dieser Text analysiert die umstrittenen US-israelischen Angriffe auf den Iran und hinterfragt deren Rechtmäßigkeit und die dahinterliegenden Motive. Er stellt die Verurteilung durch den Globalen Süden der zurückhaltenden Reaktion Europas gegenüber, die auf die strategische Abhängigkeit von den USA zurückgeführt wird. Der Autor fordert Europa auf, die amerikanische Dominanz abzulehnen, eine multipolare Weltordnung zu befürworten und eine eigene Außenpolitik für den Weltfrieden zu verfolgen.

Krieg, Legalität und Schweigen: Europa und die USA – Israelische Angriffe auf den Iran

Als die Vereinigten Staaten unter Donald Trump sich Israels Militärschlägen gegen den Iran anschlossen – gerade als die Verhandlungen an Fahrt zu gewinnen schienen –, reagierte die Weltgemeinschaft prompt, aber nicht einheitlich. In weiten Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas wurden die Angriffe als Verstöße gegen das Völkerrecht verurteilt. In Europa hingegen fiel die Reaktion deutlich anders aus: vorsichtig, zurückhaltend und bemerkenswert uneindeutig.

Diese Divergenz wirft drei miteinander verbundene Fragen auf.

  • Wie werden die Streiks in Bezug auf Legalität und Moral beurteilt?
  • Was erklärt den Zeitpunkt und die zugrundeliegenden Beweggründe für die Entscheidung, Gewalt anzuwenden?
  • Und warum hat Europa, anders als ein Großteil des globalen Südens, von einer offenen Verurteilung abgesehen?

Bashy Quraishy
Generalsekretär – Europäische Muslimische Initiative für sozialen Zusammenhalt – Straßburg

Thierry Valle
Coordination of Associations et des Particuliers pour la Liberté de Conscience

Rechtmäßigkeit: Zwischen sSelbstverteidigung und pVerbot von force

Im Mittelpunkt der juristischen Debatte steht die Charta der Vereinten Nationen, die gemäß Artikel 2(4) ein klares Verbot der Anwendung von Gewalt festlegt, außer im Falle der Selbstverteidigung (Artikel 51) oder wenn diese vom Sicherheitsrat genehmigt wurde.

Die USA und Israel begründen ihr Vorgehen mit Selbstverteidigung und argumentieren, dass Irans Atomprogramm, Raketenkapazitäten und regionale Aktivitäten eine unmittelbare Bedrohung darstellen. Diese Begründung ist jedoch höchst umstritten.

Das Völkerrecht verlangt traditionell, dass Selbstverteidigung Folgendes beinhaltet:

  • Notwendig
  • Verhältnismäßig
  • Als Reaktion auf einen unmittelbar bevorstehenden bewaffneten Angriff

Der Hauptstreitpunkt ist die Bedeutung des Begriffs „unmittelbar“. Während einige Rechtswissenschaftler das Konzept der präventiven Selbstverteidigung akzeptieren, argumentieren andere, dass Angriffe zur Verhinderung einer zukünftigen Bedrohung – sogenannte Präventivkriege – außerhalb der Grenzen der Legalität liegen.

Mangels eindeutiger Beweise für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff betrachten viele Staaten, insbesondere im globalen Süden, die Angriffe als Verletzung der Souveränität und des Völkerrechts. Europäische Regierungen hingegen haben es weitgehend vermieden, explizite rechtliche Urteile zu fällen, und stattdessen die Notwendigkeit von „Zurückhaltung“ und „Deeskalation“ betont.

Moral: Gerecht war und die rRisiken eSkalierung

Abgesehen von der Frage der Legalität werden die Streiks anhand der Theorie des gerechten Krieges beurteilt, die zwischen der Rechtfertigung für einen Krieg unterscheidet (jus ad bellum) und Verhalten im Krieg (jus in bello).

Kritiker äußern mehrere ethische Bedenken:

  • Das Risiko ziviler Opfer und Infrastrukturschäden
  • Das Potenzial für eine regionale Eskalation
  • Die Möglichkeit, dass militärische Aktionen die langfristige Stabilität untergraben.

Selbst wenn es sich um eine Präventivmaßnahme handelt, muss die moralische Abwägung ungewisse zukünftiger Bedrohungen gegen unmittelbaren und greifbaren Schaden erfolgen. Eine zentrale Frage bleibt ungeklärt:

Rechtfertigt die Möglichkeit, Irans Fähigkeiten einzuschränken, die Risiken eines umfassenderen Krieges?

Motivationen: Jenseits von sein eErklärung

Eine weit verbreitete Ansicht – sowohl im globalen Süden als auch in Teilen des Westens – ist, dass Benjamin Netanjahu Trump davon überzeugt habe, dass ein entscheidender Präventivschlag das Iran-Problem ein für alle Mal „lösen“ könne.

Diese Behauptung hat durchaus ihre Berechtigung. Netanjahu steht der Diplomatie mit dem Iran seit Langem skeptisch gegenüber und bevorzugt stets ein entschiedeneres Vorgehen. Israels strategische Präferenz für militärische Aktionen gegenüber Verhandlungen ist hinlänglich bekannt.

Die Entscheidung allein auf israelischen Einfluss zurückzuführen, vereinfacht jedoch die weitaus komplexere Realität zu stark.

Eine Interessenkonvergenz

Die Vereinigten Staaten und Israel teilten bereits wichtige strategische Bedenken:

  • Irans Atomambitionen
  • Sein regionaler Einfluss durch verbündete Gruppen
  • Seine Raketenfähigkeiten

In diesem Sinne hat der israelische Druck die politische Richtung wahrscheinlich eher verstärkt als geschaffen.

Amerikanische strategische Kalkulationen

Washington scheint seine eigenen Beweggründe gehabt zu haben:

  • Stärkung der Abschreckung
  • Eine günstigere Verhandlungsposition erzwingen
  • Schutz regionaler Ressourcen und Verbündeter
  • Entschlossenheit im In- und Ausland demonstrieren

Es gibt auch Hinweise darauf, dass der Einsatz von Gewalt als eine Form der Zwangsdiplomatie gedacht war – ein Mittel, um in Verhandlungen Einfluss zu gewinnen, anstatt sie vollständig zu ersetzen.

Fehlkalkulation und falsches Timing

Am wichtigsten ist vielleicht, dass die Entscheidung ein umfassenderes Muster von Fehlkalkulationen offenbart. Die Annahme, ein begrenzter Angriff könne Iran entscheidend schwächen oder rasche Zugeständnisse erzwingen, erweist sich – zumindest bisher – als übertrieben optimistisch. Statt eines einheitlichen, kohärenten Plans scheinen die Angriffe vielmehr ein Zusammenspiel strategischer Ausrichtung, politischer Kalkulation und opportunistischer Taktik widerzuspiegeln. Doch diese Kalkulation schlug fehl und bestärkte Irans Entschlossenheit, nach der Ermordung seines spirituellen Führers und der obersten militärischen und politischen Führung durch israelische Raketenangriffe um sein Überleben zu kämpfen.

Europas sStille: Strategie osehen sMitgefühl

Sind die rechtlichen und moralischen Fragen umstritten, so ist Europas Reaktion umso umstrittener ausgefallen. Anders als viele Länder des Globalen Südens haben die europäischen Staaten weitgehend darauf verzichtet, die Streiks ausdrücklich zu verurteilen.

Dies liegt nicht an einer einfachen kulturellen Übereinstimmung mit den Vereinigten Staaten oder Israel, noch primär daran, dass Iran ein mehrheitlich muslimisches Land ist. Solche Wahrnehmungen mögen zwar den öffentlichen Diskurs beeinflussen, erklären aber die Regierungspolitik nicht hinreichend.

Stattdessen sind vier strukturelle Faktoren ausschlaggebender.

1. Strategische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten

Die meisten europäischen Länder sind im Rahmen der NATO auf die USA als Sicherheitsbündnis angewiesen. Eine offene Verurteilung Washingtons birgt die Gefahr, dieses wichtige Bündnis zu schwächen, insbesondere in Zeiten erhöhter geopolitischer Spannungen.

2. Interne Abteilungen

Es gibt keine einheitliche europäische Position. Einige Staaten orientieren sich stärker an der US-Politik, andere stehen ihr kritischer gegenüber. Die Folge ist eine Reaktion auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Aufrufe zur Zurückhaltung ohne Schuldzuweisung.

3. Misstrauen gegenüber Iran

Die europäischen Regierungen hegen seit Langem Bedenken hinsichtlich des iranischen Atomprogramms, der Raketenentwicklung und der regionalen Aktivitäten. Dies verhindert eine einfache Darstellung Irans als Opfer.

4. Eine diplomatische Vorliebe für Mehrdeutigkeit

Die europäische Außenpolitik legt häufig Wert auf den Dialog mit allen Parteien. Die Verwendung von Begriffen wie „Deeskalation“ und „Stabilität“ spiegelt den bewussten Versuch wider, diplomatischen Spielraum zu erhalten.

Globaler Süden vs. Europa: A diverging lens

Der Kontrast zum globalen Süden ist frappierend. Viele Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika:

  • Stärkeren Fokus auf Souveränität und Nichteinmischung legen.
  • Weniger Sicherheitsabhängigkeiten von den USA haben
  • Betrachten Sie westliche Militäraktionen aus der Perspektive historischer Erfahrungen.

Infolgedessen sind sie eher geneigt, die Streiks als ungesetzlich oder aggressiv zu bezeichnen.

Die Divergenz hat daher weniger mit Kultur oder Religion zu tun, sondern vielmehr mit geopolitischer Position und historischer Perspektive.

Europa anach 30 days: Reaktiv und ceingeschränkt

Nach einem Monat des Konflikts befindet sich Europa in einer weitgehend reaktiven Rolle. Seine Optionen sind begrenzt:

  • Diplomatie: Drängen auf Waffenstillstand und Verhandlungen
  • Wirtschaftspolitik: Abmilderung von Energieschocks und Inflation
  • Sicherheit: Schutz von Seewegen ohne direkte Beteiligung

Gleichzeitig hat der Konflikt strukturelle Schwächen offengelegt:

  • Abhängigkeit von externen Energiequellen
  • Abhängigkeit von US-Sicherheitsgarantien
  • Fehlende einheitliche Außenpolitik

Tatsächlich ist Europa wirtschaftlich beeinträchtigt, politisch vorsichtig, militärisch abwesend und diplomatisch zweitrangig.

Welches Europa cOuld hVogel ddank One dunterschiedlich?

Die aktuelle Situation verdeutlicht auch verpasste Chancen, aber Europa hätte Folgendes haben können:

  • Früher wurde eine klarere rechtliche und politische Position eingenommen.
  • Spielte eine aktivere Rolle in der Vorkriegsdiplomatie
  • Die Einflusskanäle zum Iran wurden weiter gestärkt.
  • Verringerte seine Anfälligkeit gegenüber externen Energieschocks
  • Entwicklung eines einheitlicheren außenpolitischen Rahmens

Ohne diese Elemente blieb Europas Fähigkeit, die Ereignisse zu beeinflussen, begrenzt.

Komplexität osehen sImplizitheit

Die US-israelischen Angriffe auf den Iran bewegen sich im Spannungsfeld von umstrittener Rechtmäßigkeit, ambivalenter Moral und komplexen strategischen Überlegungen.

Es gibt keine einheitliche Erklärung:

  • Nicht reine Selbstverteidigung
  • Nicht einfach nur Aggression
  • nicht ausschließlich das Ergebnis israelischen Einflusses

Der Konflikt spiegelt vielmehr ein vielschichtiges Zusammenwirken von Interessen, Wahrnehmungen und Fehleinschätzungen wider. Europas verhaltene Reaktion ist wiederum weniger ein Zeichen der Übereinstimmung als vielmehr der Zurückhaltung – geprägt von Bündnissen, Spaltungen und strategischer Vorsicht. In einem Konflikt, in dem Narrative ebenso sehr konkurrieren wie Raketen, mag die wichtigste Erkenntnis folgende sein:
Das Fehlen klarer Positionen zeugt oft nicht von Neutralität, sondern von begrenzter Macht.

Jetzt ist es an der Zeit, das europäische Selbstwertgefühl wiederzuerlangen.

Ganz gleich, wie man den andauernden zerstörerischen Krieg zwischen den mächtigen USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits analysiert, die Europäer, insbesondere die EU, hätten in dieser Frage klar Stellung beziehen und Präsident Trump darauf hinweisen müssen, dass die alte unipolare Weltordnung, in der das Recht des Stärkeren galt, vorbei ist. Heute leben wir in einer multipolaren Realität, die verstanden, akzeptiert und mit der wir arbeiten müssen. Es liegt im Interesse Europas, eine Brücke zwischen Nord und Süd zu schlagen und sich nicht der amerikanischen Cowboy-Mentalität und Kriegstreiberei zu unterwerfen.  

Eine klare europäische Position wäre gut für den Frieden, den Austausch gemeinsamer humanistischer Werte und würde vor allem das europäische Selbstwertgefühl stärken und weltweit Respekt schaffen.