Während sich das Europäische Parlament auf die Abstimmung über die EU-Plan für Herz-Kreislauf-Gesundheit Während die EU ihre Arbeit am europäischen Krebsbekämpfungsplan vorantreibt, schwebt über Brüssel eine grundlegende Frage: Ist die EU-Gesundheitspolitik auf die Realität der Krankheiten im modernen Europa ausgerichtet oder auf das, was politisch am einfachsten zu regulieren ist?
Die Kommission selbst erkennt das Ausmaß der Herausforderung an. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit nehmen zu. scharfDies gilt insbesondere für jüngere Europäer. Betrachtet man jedoch die politischen Maßnahmen der Union, zeigt sich ein auffälliges Ungleichgewicht. Die Regulierungsintensität konzentriert sich weiterhin stark auf Maßnahmen im Zusammenhang mit Nikotin und Tabak, während die am schnellsten wachsenden Krankheitsursachen – Fettleibigkeit, ungesunde Ernährung, übermäßiger Zuckerkonsum, hochverarbeitete Lebensmittel und Alkohol – nur fragmentiert oder unzureichend angegangen werden.
Dies ist kein Argument gegen die Tabakkontrolle. Die Reduzierung des Rauchens bleibt ein legitimes und positives Ziel der öffentlichen Gesundheit, und Fortschritte in diesem Bereich sollten anerkannt werden. Doch Erfolg bringt auch die Verantwortung mit sich, sich anzupassen. Der Tabakkonsum geht in weiten Teilen Europas zurück, bedingt durch eine Kombination aus verändertem Konsumverhalten, Innovationen und umfassenderen gesellschaftlichen Veränderungen. Gleichzeitig hat sich die gesundheitliche Belastung verlagert, und die Politik hat nicht Schritt gehalten.
Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in der EU sind jetzt ÜbergewichtFettleibigkeit im Kindesalter ist beschleunigendEtwa jedes vierte Kind ist betroffen. Ernährungsbedingte Krankheiten, Stoffwechselstörungen und Alkoholkonsum spielen eine immer zentralere Rolle für die langfristige Gesundheitsentwicklung in Europa. Es handelt sich dabei nicht um marginale Risiken; sie sind heute die Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Doch die politische Architektur der EU erzählt eine andere Geschichte.
Nikotin unterliegt weiterhin einer umfassenden und harmonisierten Regulierung auf EU-Ebene. Im Gegensatz dazu sind Maßnahmen in den Bereichen Lebensmittelsysteme, Zuckerkonsum und Alkohol diffus, oft freiwillig und weitgehend den Mitgliedstaaten überlassen. Dies führt zu einer strukturellen Asymmetrie: Sinkende Risiken werden streng reguliert, während steigende Risiken durch weiche Maßnahmen und fragmentierte Initiativen gesteuert werden.
Das Ergebnis ist eine zunehmende Diskrepanz zwischen der Intensität der politischen Maßnahmen und ihren tatsächlichen Auswirkungen auf die Gesundheit.
Dieses Ungleichgewicht ist kein Zufall. Es spiegelt die Grenzen der EU-Kompetenz wider. Gesundheitspolitik, insbesondere in Bereichen wie Ernährung und Lebensstil, fällt primär in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Die Union kann Lebensmittelsysteme nicht in der gleichen Weise regulieren wie Produkte im Rahmen der Binnenmarktregeln oder Verbrauchsteuerregelungen, wie sie es beispielsweise bei Tabakwaren tut.
Die Anerkennung dieser Einschränkungen löst das Problem jedoch nicht – sie verdeutlicht es lediglich.
Kann die EU bestimmte Risikofaktoren nicht direkt regulieren, muss sie zumindest für Kohärenz ihrer Maßnahmen sorgen. Andernfalls droht die aktuelle Politik die öffentliche Gesundheitslandschaft zu verzerren: Sie signalisiert Eile, wo bereits Fortschritte erzielt werden, und Zögern, wo sich die Krise verschärft.
Dies wirft eine Reihe unangenehmer, aber notwendiger Fragen auf.
Wie beurteilt die Kommission, ob ihre Politik dem Ausmaß der gesundheitlichen Herausforderungen in Europa angemessen ist? Wie rechtfertigt sie die fortgesetzte Konzentration der Gesetzgebungsbemühungen auf rückläufige Risikofaktoren Währenddessen nehmen Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen rasant zu? Und welche konkreten Schritte wird die Regierung unternehmen, um sicherzustellen, dass zukünftige Initiativen das gesamte Spektrum der in ihren eigenen Analysen identifizierten Risiken widerspiegeln?
Kommissar Olivér Várhelyi selbst kürzlich unterstrichen Das Problem. In einem Video zur Europäischen Jugendwoche räumte er die zunehmende Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit unter jungen Europäern ein. Trotzdem konzentriert sich die sichtbare Präventionsagenda der Kommission weiterhin stark auf Maßnahmen im Zusammenhang mit Nikotin, was deutlich macht, worauf der regulatorische Fokus nach wie vor liegt, obwohl sich das Gesundheitswesen insgesamt weiterentwickelt.
Denn ohne einen Kurswechsel riskiert die EU, eine in sich widersprüchliche Strategie im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu verfolgen. Eine Strategie, die nicht zu streng, sondern selektiv streng ist. Eine Strategie, die zwar strenge, harmonisierte Instrumente auf politisch handhabbare Ziele anwendet, komplexere, systemische Risiken aber unzureichend berücksichtigt.
Die Gesundheitspolitik sollte sich an den Ergebnissen und nicht an der Bequemlichkeit orientieren.
Wenn Europa die Krankheitslast ernsthaft verringern will, muss es seine Strategie dort ausrichten, wo die Schäden tatsächlich entstehen. Das bedeutet, Stoffwechselgesundheit, Ernährung und Lebensstil in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen und sicherzustellen, dass die politischen Instrumente dem Ausmaß dieser Herausforderungen gerecht werden.
Andernfalls wird die EU weiterhin politisches Kapital in Bereichen investieren, in denen die Erträge abnehmen, während die eigentlichen Ursachen der Krankheit weitgehend unkontrolliert bleiben.
Das ist nicht nur eine politische Lücke. Es ist ein Glaubwürdigkeitsproblem.
