Klimaanlagen sind in Frankreich selten, wo seit Wochen Rekordhitze und stellenweise Temperaturen über 40 °C herrschen. Doch das Land greift auf Methoden zurück, die auf den ersten Blick überraschen mögen, berichtet Bloomberg. Eine davon ist das Wasser der Seine: Es wird in speziellen Anlagen gekühlt und fließt dann unter den Straßen hindurch zu öffentlichen Gebäuden, Büros, Einkaufszentren und Museen.
Betreiber dieses Netzes ist Fraicheur de Paris, ein Unternehmen der Engie-Gruppe. Laut Fraicheur ist diese Kühlmethode seit Langem bekannt – es gibt Belege für die Kühlung von Gebäuden mit fließendem Wasser bereits im alten Ägypten und Rom. Sie ist umweltfreundlich und spart Energie (um 50 %), und die aktuelle Hitze beweist ihre Wirksamkeit.
Zentrale Klimaanlagen werden laut Bloomberg auch in anderen europäischen Städten wie Zürich und weltweit – beispielsweise in Singapur und Chicago – zunehmend eingesetzt. In Griechenland erwägen die Behörden die Wiederinbetriebnahme eines historischen Aquädukts in Athen, wie die BBC berichtet.
Das Grundprinzip der Kühlsysteme besteht darin, das Wasser auf mindestens 4 °C abzukühlen und in einem geschlossenen System zirkulieren zu lassen. Sobald es sich erwärmt hat, wird es zu den Kühlanlagen zurückgeführt. Die Methode wurde in den 1970er-Jahren in Paris teilweise angewendet und erfreut sich in der französischen Hauptstadt zunehmender Beliebtheit. Eine der Herausforderungen besteht darin, geeignete Standorte für die Kühlanlagen zu finden und das entsprechende Rohrleitungsnetz zu errichten.
Neben Wasser trägt auch Kreide zur Kühlung französischer Städte bei, berichtet die BBC. Die britische Nachrichtenagentur weist darauf hin, dass eine einfache und kostengünstige Methode zur Hitzereduzierung in Wohnungen darin besteht, Kreide zu Pulver zu zermahlen. Dieses wird mit Wasser vermischt und auf die Fensterscheiben aufgetragen. Die Beschichtung lässt Licht durch, reflektiert aber Wärme, und die Wissenschaft hat tatsächlich Beweise für die Wirksamkeit dieser Methode.
Weiße Farbe reflektiert im Allgemeinen Licht, dunkle Farbe absorbiert es. Das Kalziumkarbonat in Kreide reflektiert nicht nur Licht, sondern ist auch sehr beständig gegen Sonnenstrahlung. Die Verwendung von Kreide gilt als gesundheitlich und umweltverträglich, obwohl vor möglichen negativen Reaktionen beim Einatmen gewarnt wird.
Kreide in dieser Form wird in Frankreich häufig bei der Renovierung von Geschäften verwendet – die Schaufenster werden mit der Mischung bestrichen, sodass genügend Licht einfallen kann, aber nicht ins Innere gesehen werden kann. Auch Gärtner bestreichen die Fenster ihrer Gewächshäuser bei großer Hitze damit.
Auch in französischen Schulen, die traditionell keine Klimaanlage haben, sieht man mit Kreide gestrichene Fenster. Schulleiter kritisieren diese Maßnahme jedoch als unzureichend und fordern verstärkte Anstrengungen im Bereich wärmeabweisender Dächer.
In Großbritannien wird eine ähnliche Methode angewendet, allerdings werden dort die Fenster mit geschlagenem Joghurt bestrichen, fügt die BBC hinzu.
Es gibt weitere Methoden, sich an Hitzewellen anzupassen – Stadtparks, zahlreiche Brunnen, begrünte oder überdachte Straßenkorridore (erstmals in Sevilla erprobt), weiß gestrichene Dächer und Betonflächen, Verkehrsbeschränkungen und vieles mehr. Sie sind wirksam, weil sich die Hitze in der Stadt langsamer verteilt, was die größte Gefahr für die Bevölkerung darstellt. Paradoxerweise werden diese Maßnahmen häufiger in Großstädten im Norden angewendet, während kleinere Städte im Süden, die ebenfalls häufiger von Hitzewellen betroffen sind, nicht immer über die nötigen Ressourcen verfügen, um sie umzusetzen. Dort setzt man meist auf maximal betriebene Klimaanlagen.
Die Hitze ist für einige Einzelhändler eine hervorragende Nachricht. In Großbritannien verzeichnete Currys Ende Juni einen Umsatzanstieg von 2,758 % im Vergleich zum Vorjahr bei Ventilatoren und anderen Kühlprodukten, der sich über das lange Maiwochenende erstreckte. Die John Lewis Partnership meldete einen Anstieg von 800 %, und der Absatz von Kinderplanschbecken stieg im Vergleich zur Vorwoche um 700 %. Auch der britische Haushaltsgerätehändler AO World gab ähnliche Umsatzsteigerungen bekannt.
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