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Mittwoch, Oktober 5, 2022

Anti-Kriegs-Zeugen Jehovas beanspruchen einige Archive aus der Nazizeit aus Deutschland

Die Antikriegsbewegung der Zeugen Jehovas verklagt ein Deutsches Museum auf Eigentumsrechte an Archiven der Familie Kusserow, einem ihrer Holocaust-Opfer

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Willy Fautre
Willy Fautrehttps://www.hrwf.eu
Willy Fautré, ehemaliger Missionsträger im Kabinett des belgischen Bildungsministeriums und im belgischen Parlament. Er ist Direktor von Human Rights Without Frontiers (HRWF), einer NGO mit Sitz in Brüssel, die er im Dezember 1988 gegründet hat. Seine Organisation verteidigt die Menschenrechte im Allgemeinen mit einem besonderen Fokus auf ethnische und religiöse Minderheiten, Meinungsfreiheit, Frauenrechte und LGBT Menschen. HRWF ist unabhängig von jeder politischen Bewegung und jeder Religion. Fautré hat in mehr als 25 Ländern Erkundungsmissionen zu Menschenrechten durchgeführt, darunter in gefährlichen Regionen wie dem Irak, dem sandinistischen Nicaragua oder den von den Maoisten gehaltenen Gebieten Nepals. Er ist Dozent an Universitäten im Bereich Menschenrechte. Er hat zahlreiche Artikel in Universitätszeitschriften über das Verhältnis von Staat und Religion veröffentlicht. Er ist Mitglied des Press Club in Brüssel. Er ist Menschenrechtsanwalt bei den Vereinten Nationen, dem Europäischen Parlament und der OSZE.

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Deutschland: Eigentum von Archiven in einem deutschen Militärmuseum, das von Zeugen Jehovas gegen den Krieg beansprucht wird

Wie berichtet, Die New York Times Am 25. Januar suchen Jehovas Zeugen in Deutschland nach den umfangreichen Archiven der Familie Kusserow, die von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs dezimiert wurden und sich derzeit im Besitz der Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden, Deutschland. Jehovas Zeugen in Deutschland erheben den Anspruch, die gesetzlichen Erben des Archivs zu sein.

Bemerkenswert ist, dass Jehovas Zeugen immer gegen Krieg und militärische Lösungen in Konfliktsituationen zwischen zwei oder mehreren Ländern waren. In Übereinstimmung mit ihrer religiösen Überzeugung haben sie sich überall auf der Welt immer geweigert, den Militärdienst zu leisten. Tausende von ihnen in Südkorea, Griechenland, Frankreich und vielen anderen Ländern haben wegen ihres religiösen Glaubens gegen den Krieg viele Jahre im Gefängnis verbracht, und in Nazi-Deutschland wurden einige ihrer Gegner sogar hingerichtet. „Ironie der Geschichte“, ein Militärmuseum befindet sich nun im Besitz der dezimierten Familie Kusserow und jenseits der rechtlichen Eigentumsfrage fühlen sich deutsche Zeugen Jehovas beleidigt über das, was sie als grobes moralisches Unrecht bezeichnen. Das Archiv der Familie Kusserow ist seit Jahren nur noch in einem Militärgebäude zu sehen, in dem allerlei Waffen zum Töten und Zerstören ausgestellt sind.

Die 13 Mitglieder der Familie Kusserow wurden aufgrund ihrer religiösen Identität vom NS-Regime hart verfolgt. Zwei der Jungen, Wilhelm und Wolfgang, wurden hingerichtet, weil sie die militärischen Bemühungen der Nazis nicht unterstützt hatten.

Ihr jüngster und einziger lebender Bruder, Paul-Gerhard Kusserow, behauptete: „Meine Brüder starben, weil sie sich weigerten, den Militärdienst zu leisten. Ich finde es nicht richtig, dass dieser Nachlass in einem Militärmuseum aufbewahrt wird.“ Daher bemühen sich Jehovas Zeugen in Deutschland vor allem um dieses moralische Vergehen zu beheben, um das Kusserow-Archiv des Museums.

Darüber hinaus sagen Zeugen Jehovas, dass sie Dokumente haben, die belegen, dass Annemarie Kusserow, die älteste Schwester, Jehovas Zeugen in Deutschland das von ihr akribisch zusammengetragene Archiv vermacht hat. Das Archiv besteht aus über 1,000 Objekten, darunter Fotografien, Zeichnungen, Abschiedsbriefe vor der Hinrichtung, Verkündungen der Todesstrafe und geheime Gestapo-Berichte.

Annemarie starb 2005. Anschließend stellten die Zeugen fest, dass das Militärhistorische Museum der Bundeswehr das Archiv erhalten hatte. Nach Angaben des Museums kauften sie es in gutem Glauben von einem Mitglied der Familie Kusserow, das nicht mehr zu den Zeugen Jehovas gehörte und inzwischen gestorben ist.

Seit fast sieben Jahren konnten die Zeugen Jehovas in Deutschland keine friedliche Einigung mit dem Museum erzielen und haben rechtliche Schritte eingeleitet, um es zu erwerben.

Im Erfolgsfall planen die Zeugen, das Kusserow-Archiv in ihrem Museum im Central auszustellen Europe Büro in Selters, Deutschland. Es wird dann für jeden Besucher kostenlos zugänglich sein.

Geschichte von tDie Verfolgung der Familie Kusserow

  • Wilhelm Kusserow war einer der ersten Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, der im Zweiten Weltkrieg von Nazis hingerichtet wurde. Er wurde von einem Erschießungskommando getötet
  • Wolfgang Kusserow, ein jüngerer Bruder von Wilhelm, wurde zwei Jahre später enthauptet
  • Franz Kusserow, der Vater, wurde dreimal inhaftiert. Annemarie und Waltraud, zwei der Töchter, wurden inhaftiert
  • Die Mutter, Hilda Kusserow, sowie zwei ihrer Töchter, Hildegard u Magdalena, wurden inhaftiert und anschließend ins KZ Ravensbrück gebracht
  • Karl-Heinz Kusserow, einer der Söhne, kam in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau
  • In den 12 Jahren des NS-Regimes wurden Angehörige der Familie Kusserow zu insgesamt 47 Jahren und 9 Monaten Zuchthaus oder Konzentrationslager verurteilt
  • Die drei jüngsten Kinder wurden entführt und in Nazi-Ausbildungsschulen geschickt, wobei ihnen der Kontakt zu ihrer Familie verboten wurde. Anschließend wurden sie in die Obhut nationalsozialistischer Familien gebracht.
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